Jetzt reicht’s: Wenn der Berliner Senat eindeutig zu weit geht
Jetzt reicht’s: Wenn der Berliner Senat eindeutig zu weit geht

Jetzt reicht’s: Wenn der Berliner Senat eindeutig zu weit geht

Mein Jahrgang wurde 2017 am Arndt-Gymnasium mit dem Versprechen eingeschult, den Sportunterricht bald in einer neuen, größeren Turnhalle haben zu dürfen. 5 Jahre später sollte zwar der Münterbau abgerissen sein, doch eine neue Turnhalle wird dieser Jahrgang, der nächstes Jahr Abitur macht, wohl nicht mehr erleben. Es ist mittlerweile kein Geheimnis, dass sich die durch den Senat bewilligten Bauprojekte an Berliner Schulen so sehr verspäten, dass es selbst der Deutschen Bahn peinlich wäre und man schon von einem Dahlemer BER sprechen möchte. Daher horchte man nur kurz auf, als die Nachricht die Runde machte, eine Mobilfunkantenne solle auf unserem Schulturm montiert werden, denn an die Durchsetzung dieses Vorhabens glaubte keiner so recht. Doch weit gefehlt, denn diesmal hatte es der Senat plötzlich eilig, seine Pläne durchzusetzen. Als auf einer Fachkonferenz also klar gemacht wurde, dass die Antenne sobald wie möglich angebracht werden sollte, machte sich große Empörung in der Lehrer*innen- und Schüler*innenschaft breit. Nun haben wir die Verschwörungstheorien rund um Bill Gates, das Corona-Virus und die berühmt-berüchtigte 5G-Strahlung längst als Falschinformationen registriert und hinter uns gelassen. Und doch scheint es bei der 5G-Strahlung noch immer Zweifel sowie Gesprächsbedarf zu geben- woraus resultiert das?

Die deutsche Verbraucherzentrale schreibt in einem Online-Artikel: “Die Besonderheit von 5G ist die extrem hohe erzielbare Datenrate von bis zu 10Gbit pro Sekunde sowie die geringe so genannte Verzögerungszeit (Latenz). Mit einer bis zu 10-fach höheren Datenübertragung als LTE ermöglicht die neue 5G-Mobilfunkgeneration nahezu eine Echtzeit-Übertragung.” Klingt doch erstmal super; schnelleres Internet für Schüler*innen und Lehrer*innen, oder? So gesehen Fortschritt und Vorteil zugleich, gäbe es da nicht drei klitzekleine Probleme, die der Berliner Senat geflissentlich übersehen hat oder übersehen wollte. Denn eins steht fest: mit einer Mobilfunkantenne verdient er Geld. Warum also Geld ausgeben, um den Schüler*innen eine angemessen große Turnhalle zu ermöglichen, wenn man stattdessen Geld einsacken kann, indem man eine große Antenne auf den Schulturm setzt? Warum kommenden Generationen den Sportunterricht verschönern, wenn man eben diese Genrationen genauso gut verstrahlen kann…?

Verstrahlen? Ja, richtig gehört. Auch wenn 5G viele neue Möglichkeiten bietet, die das Surfen im Internet oder Verschicken von Nachrichten an den besten Freund wesentlich einfacher machen, ist die Forschung zur 5G-Strahlung noch nicht sehr weit fortgeschritten. Gesundheitliche Risiken können nur schwer eingeschätzt werden, aber wenn man davon ausgeht, dass die sich in der Nähe der Antenne benfindenden Personen gesundheitliche Schäden davontragen könnten und man sich dann vor Augen führt, dass die Antenne auf dem Dach eine Schulhofes steht, der einen Kindergarten auf der einen und eine Grundschule auf der anderen Seite hat, ist es nicht verwunderlich, wenn so manch einem die Kinnlade herunterklappt. Als Schüler*in verbringt man sicherlich 35 bis 45 Stunden pro Woche in der Schule und viel Zeit auf dem Schulhof. Zu welchem Preis also soll das Netz der umliegenden Nachbarschaft verbessert werden?

Hinzukommt, dass auf unserem Schulturm jedes Jahr die Turmfalken brüten, die unter Naturschutz stehen. Nach einer ordentliche Beschwerde des Naturschutz-Verbandes bei der Gesamtkonferenz wurde beschlossen, die Bauphase in den Zeitraum zu legen, in dem die Falkenbrut bereits flügge geworden ist. Nichtsdestotrotz bleibt das Problem der Strahlung ein bestehendes Argument und kann nicht nur für Menschen, sondern eben auch für Tiere gelten. Überspitzt darf doch sicherlich die Frage gestellt werden, ob das Geld potentiell verstrahlte Lebewesen wert ist? Oder sollte man lieber doch darüber nachdenken, den Bau einer solchen Antenne zu verhindern? Leider liegt dies nicht in unseren Händen, aber wir können ihn verzögern, vereiteln und vielleicht am Ende doch verhindern. Hierfür haben sich einige Lehrer*innen in Zusammenarbeit mit der “Task Force Mobilfunkanlage” für den Einwohnerantrag “Initiative strahlenfreie Schule” stark gemacht, um die geplanten Bauarbeiten zu stoppen und der von allen Personen, die mindestens 16 Jahre alt sind und einen Wohnsitz in Steglitz-Zehlendorf haben, unterschrieben werden darf und im Sekretariat bis zum 03.06.2022 abgegeben oder per Mail an die Schule geschickt werden kann.

Das gesamte Kollegium sowie die Schülerschaft heißt jede Unterschrift gegen die Antenne willkommen. Nicht nur, weil wir möglicherweise gefährliche Strahlung vermeiden, den Turmfalken schützen und uns für wichtigere Angelegenheiten, wie die Turnhalle, offen aussprechen wollen, sondern auch, weil uns diese Antenne im Endeffekt auch gar nichts nützt und das ist weder Ironie noch ein schlechter Scherz, denn das qualitativ hochwertigere Netz breitet sich pilzförmig aus. Dies bedeutet, dass die Anwohner davon zwar profitieren, wir Schüler- und Lehrer*innen allerdings noch schlechteres Netz als ohnehin schon zu erwarten haben. Wenn das mal nicht gute Argumente sind! Lieber Berliner Senat, wir wollen keine Mobilfunkantenne; weder jetzt, noch in ferner Zukunft und wir werden uns dem Druck auch nicht beugen, sondern mit vielen Unterschriften standhalten! Für eine gesunde Schülerschaft und glückliche Turmfalken!

Quellen:

  • Intuitive “strahlenfreie Schule”

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